Erfahrungsbericht „Einstellungsverfahren Karrierecenter der Bundeswehr in Berlin“

Folgender Erfahrungsbericht stammt von Nico B., einem Bewerber, der im Karrierecenter der Bundeswehr in Berlin seinen Einstellungstest absolviert hat. Er hat die Eignung für die Feldwebellaufbahn bekommen! An dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg Kamerad!

Und jetzt: viel Spaß beim Lesen!


Tag 1 – Die Anfahrt

Soldatin beim Test

Am 12.08.2016 ging es für mich endlich los, eine Woche vorher erhielt ich nach langem Warten endlich meine Einladung zum Einstellungstest in das Karrierecenter der Bundeswehr nach Berlin. Was ein schönes Gefühl! Doch um ehrlich zu sein, war ich auch sehr aufgeregt, was erwartet mich dort alles, klappt alles so wie ich es mir vorgestellt habe? Ich hatte einen Traum und klare Erwartungen an diese drei Tage: ich wollte Feldjägerfeldwebel werden. Also machte ich mich am Montagmorgen auf dem Weg nach Berlin, für mich keine große Reise, eine Stunde Zugfahrt trennten mich vom Karrierecenter der Bundeswehr Berlin. Die Stunde Zugfahrt konnte ich für mich noch Nutzen und vertiefte mein Wissen über die Bundeswehr, wie ist diese aufgebaut, wo ist die Bundeswehr weltweit im Einsatz, wie sind die Strukturen innerhalb der Bundeswehr, was bedeutet es Soldat zu sein, welche Gefahren sind damit verbunden. Aber für mich war klar, dass ist genau das, was ich schon immer wollte.
Mit meinen Aufzeichnungen saß ich nun im Zug. Die Nervosität hielt sich dort noch in Grenzen, da ich mich vorher schon im Internet informiert habe, wie dieses dreitägige Auswahlverfahren genau abläuft. Doch deckt sich das wirklich mit der Realität? All das waren Fragen die durch meinen Kopf geisterten.

Nach etwas mehr als einer Stunde war es zu spät für solche Gedanken, denn ich stand mit meiner großen Sporttasche vor dem Karrierecenter der Bundeswehr in Berlin Grünau. Der erste Kontakt mit der Bundeswehr für mich persönlich, das erste Mal durch die Schranke an der Wache, nach kurzem Gespräch mit dem äußerst freundlichen Wachmann wusste ich nun auch wo ich mich einfinden musste.

Tag 1 – Die Anmeldung

Ein Blick auf die Uhr und ich stellte fest, na toll 30 min zu früh, naja egal, nochmal sammeln, durchatmen und auf geht’s! Mein erster Weg ging zur Anmeldung, vor der Anmeldung traf ich zum ersten Mal meine Mitstreiter, und die ersten lockeren Gespräche gingen los. Ich stellte schnell fest, dass all meine Befürchtungen völlig menschlich sind, denn den anderen ging es genau so.

So 14:30 Uhr: also rein in die Anmeldung, dort saß ein Hauptfeldwebel am Tisch und empfing meine Unterlagen, wie Einladung, Personalausweis usw. Im Anschluss bekam ich einen Stubenschlüssel zugewiesen und ein Paket Bettwäsche. Gut, dachte ich mir, dass war einfach, also ging es für mich auf Stubensuche, nach circa 10 min war ich dann am Ziel: Stube 202, das war mein neues Zuhause für die nächsten 3 Tage. Angekommen auf meiner Stube bezog ich zuerst mein Bett, und räumte meinen Spind mit meinen persönlichen Sachen ein. Ein bisschen erinnerte mich das an eine Klassenfahrt aus der Schulzeit. Nach Abschluss aller Maßnahmen, widmete ich mich dem Brief der auf dem Tisch lag mit meinem Namen drauf. In diesem Brief war der Ablauf und eine Checkliste für die nächsten Tage. Zeitgleich trafen meine weiteren beiden Stubenkameraden ein. Nach kurzem Smalltalk näherte man sich schnell an. Da für diesen Tag keine weiteren Maßnahmen geplant waren, ging es also mit meinen neuen Kameraden auf Entdeckungsreise durch die Kaserne.

Um 22 Uhr war denn aber jedoch genug und es hieß Schlafenszeit, die nächsten Tage werden noch anstrengend genug dachte ich mir und knipste das Licht aus.

Tag 2 – Die Einweisung

Der nächste Morgen begann für mich um 06:00 Uhr, Ich stand auf, ging duschen und danach ab zum Frühstück in die Kantine. Hier war ich sehr über das zahlreiche Angebot an Müsli, Obst-und Frucht, Säften, Joghurt, sämtliche Aufschnitte(Wurst – und Käse), Marmelade usw, erstaunt. Alles wie zu Hause – dieser Tag konnte nur gut werden. Nach dem Frühstück ging es für mich zu einer Besprechung/Einweisung in den Tag. Als erstes stand für mich der CAT-Test auf dem Programm, unter CAT-Test konnte ich mir erstmal nichts vorstellen. Der uns betreuende Oberfeldwebel meinte, dass das umgangssprachlich „Computertest“ bedeutet. Erleuchtung ging durch die Runde und jeder wusste von was gesprochen wurde.

Tag 2 – Der CAT Test

Eh ich mich umsehen konnte, saß ich auch schon in einem Raum mit ca. 30 Computern, welche in Reihe aufgestellt waren. Dort erhielt man noch einmal eine ganz genaue Einweisung in diesen Testabschnitt und dann ging es auch schon los. Wichtig hierbei ist, dass man dabei Kopfhörer trägt. Dieser CAT-Test hat bei mir ca. 2h gedauert. Dies ist jedoch bei jedem individuell: der eine kommt schneller durch die verschiedenen Aufgaben, der andere lässt sich etwas mehr Zeit.

Deutsch

Angefangen hat der Test mit dem Thema Deutsche Sprache. Hier wurden fünf Schreibweisen eines Wortes abgebildet und meine Aufgabe bestand darin, die richtige Schreibweise rauszufinden.

Dieser Testabschnitt umfasste ca. 20 Aufgaben.

Technik

weiter ging es mit dem Wissensabschnitt, Technik. Hier wurden verschiedene Zahnräder abgebildet und meine Aufgabe bestand darin, herauszufinden in welche Richtung sich ein bestimmtes Zahnrad dreht. Dieser Wissensabschnitt umfasst um die 10 Abbildungen, gefolgt von einigen Abbildungen bei denen es um einfache Stromkreise ging. Hier sollte man sagen, unter welchen Bedingungen die Glühbirne leuchtet. Ich ging an die Aufgaben mit logischem Menschenverstand ran und ließ mir ausreichend Zeit für die Bearbeitung der Aufgaben. Von Nervosität war keine Spur, viel zu sehr war ich auf die Bearbeitung der Aufgaben fokussiert.

Mathematik

Der nächste Testabschnitt, behandelte das Thema Mathematik. Hier wurden die einfachen mathematischen Grundrechenarten abgeprüft: Division, Multiplikation, Addition, Subtraktion, Bruchrechnung und Prozentrechnung. Hierzu ist zu sagen, dass mit solider Schulbildung, diese Aufgaben sehr gut zu lösen waren.

Nach Abschluss dieses Testabschnitt waren mittlerweile um die 60 Minuten Bearbeitungszeit vergangen.

Geschichte und Politik

Weiter ging es mit dem Thema Geschichte und Politik. Hier wurden allgemeinwissens- Fakten aus Geschichte und Politik abgefragt. Zum Beispiel:

 

  • Wann Begann der 30- jährige Krieg?
  • Wann begann der erste Weltkrieg?
  • Wer waren die Siegermächte des zweiten Weltkriegs?
  • Wie ist unsere Bundesregierung aufgebaut?
  • Wer ist das Oberhaupt unserer Regierung? usw.

 

Wichtig hier zu erwähnen: alle Antwortmöglichkeiten waren im Multiple-Choice Verfahren angelegt. Das bedeutet, man musste die richtigen Antworten nur anklicken und drückte anschließend auf „weiter“.

Fremdsprachenkenntnisse

Mein vorletzter Test befasste sich mit dem Thema „Fremdsprachen“. Hier musste man, bevor man anfing die Aufgaben zu bearbeiten, auswählen welche Fremdsprachen man beherrscht und auf welchem Niveau, (Muttersprachler, Schulkenntnisse, u.a). Bei mir waren das Englisch, Französisch und Russisch (auf Schulniveau). Nun wurde mir auf meinem Bildschirm zuerst eine Seite eingeblendet, welche sich mit der englischen Sprache befasste. Hier wurden um die 30 Aufgaben auf eine Seite gepackt und untereinander angeordnet. Zum Teil waren Sätze vorgeben und man hatte die Aufgabe, diese korrekt zu beenden. Dies umfasste um die 15 Aufgaben. Die anderen 15 Aufgaben, waren einfache Übersetzungsaufgaben einzelner englischer Begriffe. Sinngemäß wurde dies bei den weiteren Fremdsprachen ebenso durchgeführt. Fast geschafft dachte ich mir!

Charakter einschätzen

Zum Schluss kam ein Abschnitt in dem es darum ging, persönliche Charaktereigenschaften selbst einzuschätzen. Dies war am zeitintensivsten, meiner Meinung nach. Es wurde z.b gefragt : „Stehen Sie gerne innerhalb einer Gruppe im Mittelpunkt?“. Hier hatten man Antwortmöglichkeiten welche von „trifft gar nicht zu“ bis „trifft voll zu“ vorgegeben waren. Hier ist zu sagen, dass es bei dieser Aufgabe kein richtig oder falsch gibt. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch hatte andere Wertevorstellung und persönliche Charaktereigenschaften. Man sollte jedoch bei der Wahrheit bleiben und auch Fehler sind hier nicht schlimm – kein Mensch ist perfekt. Doch die Fähigkeit sich selbst zu reflektieren und sich selbst wahrheitsgemäß einzuschätzen, das können nicht alle. Sollte man hierbei jedoch nicht bei der Wahrheit bleiben, kommt dieses spätestens im persönlichen Gespräch mit dem Psychologen, welcher diesen Abschnitt auswertet, raus. Aber dazu später mehr. Geschafft: alle Aufgaben bearbeitet nach ca. 2 h. Ein Gefühl der Erleichterung machte sich schnell breit. Also verließ ich meinen Computer und holte mir die Unterschrift auf meiner Checkliste und konnte somit am ersten Tag ein „CHECK“ hinter meinen CAT-Test machen.

Tag 2 – Ärztliche Untersuchung

Ärztliche Untersuchung

Somit konnte ich im Anschluss direkt weiter zur ärztlichen Untersuchung. Hier hört man viele Gerüchte, doch da kann ich Ihnen jede Angst vor nehmen. Zuerst musste ich bei einer sehr netten Krankenschwester einen Becher abholen und gab dann eine Urin-Probe ab. Hintergrund hierfür ist, der abgegebene Urin wird untersucht und einem Drogen-Screening unterzogen. Hat man keine Betäubungsmittel konsumiert brauch man sich auch keine Sorgen machen. Nach etwa viertelstündiger Wartezeit, war ich denn dran und wurde ins Behandlungszimmer gerufen. Ein freundlicher Arzt und eine Krankenschwester saßen im Behandlungszimmer. Anfangs führte ich mit dem Arzt ein persönliches Gespräch und er erklärte mir, was hier genau gemacht wird und was alles untersucht wird.

Und dann ging es auch schon los. Ich wurde gewogen und gemessen um meinen BMI (Body-Mass-Index) zu ermitteln. Dieser hat gepasst, also weiter ging es. Ich legte mich auf die Arztliege und der Arzt untersuchte meinen Körper. Er untersuchte alle Gelenke, hörte mich ab, untersuchte meine Wirbelsäule und meine Geschlechtsorgane. Keine Sorge, dies ist überhaupt nicht unangenehm und geht super schnell. Der gesamte Untersuchungsabschnitt dauerte ca. 10 min. Anschließend folgte ein persönliches Gespräch, in dem über bestehende Krankheiten, ehemalige Operationen, Krankheiten innerhalb der Familie, Medikamente die man einnehmen muss und Verhalten zu Alkohol und Nikotin, gesprochen.

Seh – und Hörtest

Das war ́s schon fast, nun musste ich das Behandlungszimmer noch einmal verlassen um zum zweiten und letzten Teil der Untersuchung gehen : Augenärztliche Untersuchung und der Hörtest. Den Sehtest kann man sich wie die Augenuntersuchung, die man benötigt, wenn man den Führerschein machen möchte, vorstellen. Man schaut durch ein Gerät und sagt der Ärztin in welche Richtung die Öffnungen, der abgebildeten Kreise zeigt. Danach hat man noch die bekannten „Zahlenbilder“ gesehen in denen die Farbsehkraft geprüft wird. Verbunden war diese Untersuchung mit einem kleinen Hörtest. Ganz simpel aufgebaut: man hatte Kopfhörer auf und abwechselnd kamen links und rechts Töne und man sollte auf eine Art „Button“ drücken, sobald man das Geräusch wahrnimmt. Fertig!

Also wieder ins Arztzimmer, der Arzt wertete mit mir zusammen noch die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung aus und dann bekam ich mein Ergebnis: „uneingeschränkt Verwendungsfähig“ – „T1“. Ein super Gefühl und wieder ein „CHECK“ mehr auf meiner Liste.

Im Anschluss daran gab es Mittagessen, natürlich wieder in der Kantine.

Tag 2 – ausklingen lassen

Für den Nachmittag war nichts mehr geplant. Wir erhielten am Nachmittag noch einen Vortrag über die Bundeswehr ganz allgemein. Sehr interessant und für mich persönlich sehr gelungen, da man sich dort nochmal auf das anstehende persönliche Gespräch beim Psychologen vorbereiten konnte.

Dann hieß es „Dienstschluss“ für uns, und ich war auch froh darüber. Obwohl es keine körperliche Anstrengung gab an diesem Tag, war man am Abend doch relativ müde und kaputt. Ich nutze den Abend um meinen Liebsten zu Hause von meinen Ergebnissen zu berichten. Und auch an diesem Tag war um 22 Uhr das Licht auf der Stube 202 aus.

Tag 3 – Der Sporttest

Der dritte Tag ging auch wieder um 06 Uhr los. Duschen, frühstücken, wie am Vortag auch. Heute stand der Sporttest auf dem Programm, also ging es auf die Stube zum Sportklamotten anziehen. Wir trafen uns um 08 Uhr in der Sporthalle. Dort erhielten wir eine genaue Einweisung in den Ablauf dieses Tests.

Pendellauf

Und dann ging es auch schon los mit der ersten Disziplin, der 11 x 10 m Pendellauf. Dieser Test sieht wie folgt aus:

  1. man liegt auf der Bauchseite auf einer Matte und hat die Hände auf dem Rücken
  2. bei Ertönen des Signals, drückt man sich hoch und sprintet so schnell wie es geht zu dem Kegel der 11m weiter hinten aufgestellt ist, umkreist diesen und rennt zurück zur Matte
  3. an der Matte angekommen, legt man sich wieder auf die Bauchseite und schlägt die Hände auf dem Rücken zusammen

Dies wiederholt man 5 1/2- mal. Erster Abschnitt: fertig.

Klimmhang

klimmhangNach kurzer Erholungszeit und einem kräftigen Schluck Wasser ging es zur nächsten Disziplin, der Klimmhang. Zum Ablauf:

  1. man steigt auf einen Hocker und positioniert seine Arme etwa Schulterbreit an der Stange
  2. dann umfasst man die Stange mit dem “Kammgriff” und zieht sich anschließend mit der Kraft seiner Arme nach oben
  3. der Hocker wird anschließend weggenommen
  4. dann hängt man solange an der Stange bis einen die Kräfte verlassen (Aber auch hier kann ich jeden beruhigen, Mindestvoraussetzung hier sind 5 Sekunden)

Einziges Kriterium:

  • das Kinn darf die Stange nicht berühren

Ergometer-Test

Nach Abschluss dieser Aufgabe, kam auch schon die letzte Disziplin: der 3000-Meter Ergometer Test. Bei diesem nahm ich auf dem Fahrrad Platz und hatte für die 3000m Strecke 6 Minuten und 30 Sekunden Zeit.

Das war meiner Meinung sehr gut zu schaffen. Ich schaffte diese geforderte Leistung in 4Minuten und 45 Sekunden. Hierbei ist zu sagen, dass ich vorher nie ein großer Ausdauersportler war.

Tag 3 – Das psychologische Gespräch

Alles klar, alle drei Disziplinen erfüllt, bedeutete ein weiteres „CHECK“ auf meiner Liste. Dieses weitere „CHECK“ bedeutete jedoch auch, dass ich vor meiner letzten Aufgabe stand: dem persönlichen Gespräch beim Psychologen. Vor diesem bekam ich es noch einmal mit der Nervosität zu tun, obwohl ich mich wirklich sehr gut vorbereitet gefühlt habe. Ich hatte einfach keine Vorstellung darüber, was dieser Mensch alles von mir wissen möchte und welche Fragen hat er sich für mich überlegt ?

Von all diesen Gedanken habe ich genau jetzt die Möglichkeit mir selbst ein Bild zu machen, denn ich saß im Warteraum und wartete bis ich dran war. Und in meinem Kopf habe ich mir eine wichtige Regel für dieses entscheidende Gespräch zurechtgelegt und die lautete : „Bleib einfach Du selbst!“ Und ehe ich mir weiter Gedanken machen konnte, ging es auch schon los. Ich hörte meinen Namen und ich betrat das Zimmer in denen zwei Männer, Mitte 30, auf mich warteten. Zuerst eine kurze Begrüßung. Ich stellte mich vor und teilte den Psychologen mit, warum ich hier bin. Die Begrüßung von Seiten der Psychologen empfand ich als äußerst freundlich. Wie bei allen Tests und Aufgaben auf meinem Weg hierher, fand am Anfang auch wieder eine kurze Einweisung statt. Das beruhigte mich persönlich sehr, weil man einfach genau wusste, was in den nächsten 30 Minuten passieren wird.

Auf los geht’s los

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde meinerseits aber auch seitens der Psychologen, begann unser recht lockeres Gespräch auch schon mit der Frage: „Warum haben Sie sich entschieden sich bei der Bundeswehr zu verpflichten?“. Ich möchte hier nicht meine Antworten vorgeben, da ich denke, jeder hat andere Gründe und andere Motivation. Was ich sagen kann, dass es sehr von Vorteil ist, wenn man sich über solch generelle Fragen vorher ausführlich Gedanken macht, und diese auch ohne zu stottern, locker und glaubwürdig vortragen kann. Denn hier zählt der erste Eindruck, meiner Meinung nach. Ein angehender Feldwebel sollte es schaffen, seine eigenen Standpunkte und Motivation, simpel und plausibel vortragen zu können. Nach dem wir uns darüber unterhielten, fragte mich der Psychologe einige Sachen aus meiner Kindheit, z.B.:

  • wie ich aufgewachsen bin
  • wie ich meine Schulzeit und meine Jugend erlebt habe
  • ob es einschneidende Momente in meinem, bis dahin noch jungen Leben gab
  • ob man schon mal in der Jugend mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist
  • wann ich zu dem Entschluss gekommen bin Soldat zu werden
  • ob ich einen „Plan B“ habe
  • ob ich über meine Entscheidung mit Familie, Freunden und Freundin gesprochen haben usw.

Hier nochmal der Tipp an alle die dieses Gespräch noch vor sich haben: hier ist ganz klar Ehrlichkeit Trumpf.

Ein Beispiel aus meinem Gespräch zum Thema Kindheit: ich erzählte dem Psychologen, dass sich meine Eltern früh geschieden haben und ich in einer “Patchwork-Familie” aufgewachsen bin. Ich habe ihm ganz plausibel erklärt, dass dies für mich noch nie ein Problem dargestellt hat und ich darin sogar einige Vorteile sehe. Zum Beispiel das erhöhte Anpassungsvermögen, welches ich mir z.b durch „neue“ Stiefgeschwister angeeignet habe. Dies sollte mir später noch zu gute kommen.

Spezifischere Fragen

Spezifische Fragen im psychologischen Gespräch bei der BundeswehrNun ging es ans „Eingemachte“: der Psychologe wollte wissen, warum ich genau Feldjäger werden möchte, und was in meinen Augen einen Feldwebel innerhalb der deutschen Streitkräfte ausmacht. Auch ist jede Antwort darauf individuell und kann nicht vorgegeben werden. Da der Psychologe wahrscheinlich gemerkt hatte, dass ich auf diese Frage sehr gut vorbereitet war, stellte er mir nun zwischendurch Fragen wie: “Wissen Sie wo die Bundeswehr momentan im Einsatz ist” oder  “Können Sie mir mal bitte vier Einsätze nennen?” Wie ich vorher schon sagte, zahlt es sich genau bei solchen Fragen aus, wenn man sich vernünftig vorbereitet hat.

Dann kam der Psychologe auf das Thema Auslandseinsatz und die damit verbundenen Folgen (in Form von Tod und Verletzung – physisch wie auch psychisch). Es folgten Fragen wie: „Sie verpflichten sich als Soldat auch zu Auslandseinsätzen in teils gefährlichen Teilen dieser Welt, haben Sie sich über mögliche Folgen auch einmal Gedanken gemacht ?“ Hier zählt einfach eine ehrliche Meinung. Meiner Meinung nach sollte man die mögliche Gefahr niemals unterschätzen und dies genau so zum Ausdruck bringen. Vermeintlich „Stahlharte“, „Angstfreie“, „Möchtegern-Rambos“ haben bei der Bundeswehr nichts zu suchen. Angst vor Tod und Verwundung sind vollkommen menschlich und jeder Psychologe wird euch das bestätigen können. Dies schloss mein Gespräch auch schon ab. Man wertete das Gespräch noch kurz aus. Hierbei sagte der Psychologe zu mir: „Ich finde es toll, dass Sie mit ihrer Kindheit so offen und ehrlich umgegangen sind.“

Nun musste ich noch einmal für 5 Minuten in den Warteraum, denn die Psychologen mussten sich beraten und eine Entscheidung treffen. Bekomme ich die Empfehlung für die Feldwebellaufbahn? Es dauerte wie gesagt nicht all zu lange, und ich konnte nach kurzer Zeit wieder den Raum betreten. Man teilte mir mit, dass man überzeugt davon wäre, mir die Feldwebeleignung zuzusprechen und man wünsche mir für meinen weiteren Werdegang viel Soldatenglück! Ich bedanke mich höflich und verließ den Raum.

Tag 3 – Auf zum Einplaner

Da war es nun, das letzte „CHECK“ auf meiner Liste, jetzt war nur noch ein Punkt offen, und dieser Punkt hieß – Einplaner.

Und genau zu diesem ging es auch im Anschluss. Angekommen dort, klopfte ich höflich an eine Bürotür und betrat nach dem „Herein“ das Zimmer. Auch hier der altbekannte Ablauf: kurze Einweisung und dann ging es los. Mein Erstwunsch, den ich vorher angegeben habe, war ganz klar Feldjäger. Nach diesen Stellen suchte der Einplaner auch zuerst. Zu meinem großen Glück fand er eine Stelle in seinem Computer. Er stand auf und ging zu einer großen Deutschlandkarte und sagte: “ So jetzt wird es spannend !“ er kreiste wild auf der Karte rum – die Spannung bei mir stieg plötzlich nochmal stark an – sein Finger landete auf dem Ort STORKOW(MARK), in Brandenburg, 30km von Berlin entfernt und 100 km von meinem zu Hause entfernt. Ich dachte nur: JACKPOT!.

Ich war sichtlich erleichtert und sehr zufrieden mit meiner zukünftigen Dienststelle. Das 7. Feldjägerregiment 1 in Storkow ist nun für die nächsten 12 Jahre mein neues zu Hause.

Ich unterschrieb sichtlich erleichtert meine Stelle, verabschiedete mich freundlich und verließ den Raum.

Tag 3 – Geschafft!

Nun hatte ich alles geschafft, an diesem Abend trank ich noch ein Bier mit meinen Stubenkameraden und ging glücklich ins Bett. Am nächsten Morgen, hieß es nur noch für mich: Sachen zusammenpacken, Bett abziehen, Stubenschlüssel abgeben und den Heimweg antreten. Um 09 Uhr stand ich dann wieder an der Wache und verließ nach 3 Tagen das Karrierecenter der Bundeswehr in Berlin, sichtlich glücklich, mit der Feldwebeleignung im Gepäck und ein genaues Datum für meinen Dienstantritt zur Grundausbildung am 02.01.2017 in Hannover. Ich stieg sehr zufrieden in die Bahn ein und machte mich auf den Heimweg.


 Dieser Erfahrungsbericht wurde uns von Nico B. zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür, lieber Nico und weiterhin alles Gute!

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...