Bundeswehr Erfahrungsbericht

Wer eine Karriere bei der Bundeswehr anstrebt, der muss zunächst das Auswahlverfahren absolvieren. Den folgenden Erfahrungsbericht haben wir von einem Bewerber der Bundeswehr zugesendet bekommen. Der Bewerber hat uns netterweise erlaubt den Bericht auf dieser Seite zu veröffentlichen um anderen Bewerbern damit zu helfen.

Erfahrungsbericht Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln

Gegen Mittag erreichten alle Bewerber die Mudra-Kaserne und wurden in der Bewerberunterkunft in Empfang genommen. Nachdem alle ihre Stuben bezogen hatten, holten uns drei Betreuungsoffiziere von der Bewerberunterkunft ab und wir begaben in das eigentliche Assessmentcenter in einen Konferenzraum. Dort wurde zunächst ein Vortrag über den Ablauf des Verfahrens gehalten und jeder Bewerber erhielt seinen persönlichen „Laufzettel“, wann und wo er sich für die entsprechenden Tests einfinden muss. Als nächstes erhielten wir einen Bogen, in dem Fragen über Ehrenamt, Schule, Nebenjobs und Familie gestellt wurden. Dieser Bogen diente vor allem der Prüfkommission, die dadurch den Bewerber besser kennenlernen konnte. Die Bewerber, welche sich für den Sanitätsdienst interessierten, erhielten im Folgenden einen erweiterten Vortrag, an dem ich nicht teilgenommen habe. Danach wurde das Thema „Auslandeinsätze“ sehr intensiv thematisiert und jeder Bewerber sollte sich noch einmal klarmachen, was es heißt, Offizier bei der Bundeswehr zu sein. Zum Schluss erhielten wir einen Bogen, auf dem wir unsere Noten und Studienwünsche eintragen sollten. Dabei ist zu beachten, dass jeder Studienwunsch entsprechend begründet werden muss, was im Detail bedeutet: „Wieso haben Sie sich für dieses Studium entschieden?“ und „Haben Sie bereits Erfahrungen im Bereich Ihres Studienwunsches sammeln können?“. Mit diesen Bögen als Hausaufgabe für den nächsten Tag wurden wir entlassen. Anschließend luden uns die Betreuungsoffiziere ein, zum „Griechen“ zu gehen und dort etwas zu essen und Fragen aller Art zu stellen.

Bundeswehr Einstellungstest 1. Prüfungstag

Den nächsten Morgen (1. Prüfungstag) klingelte der Wecker bereits um 4:45 Uhr. Die Kantine öffnete um 5:45 Uhr und die „Schriftliche Arbeitsprobe“ begann um 6:10 Uhr, d.h. man sollte zügig frühstücken und pünktlich im Prüfungsraum erscheinen. Der erste Test wurde von einer Psychologin durchgeführt. Wie in der Schule gab es bei diesem Test A und B. Jede Gruppe erhielt 2 Wortpaare. Ich habe mich für: Märchen & Legende entschieden.

Aufgabe war es nun beide Begriffe unabhängig von einander zu definieren, diese zu vergleichen und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszustellen. Als letztes musste ein Fazit bzw. eine Zusammenfassung geschrieben werden. Neben Rechtschreibung, Grammatik und dem Ausdruck war ein ordentliches Schriftbild sehr wichtig. Für die Aufgabe hatte man 30 min Zeit.

Nach dem Aufsatz musste ich zur ärztlichen Untersuchung, bei welcher das Seh- und Hörvermögen sowie die körperliche Unversehrtheit festgestellt wurden. Einen entsprechenden Bericht, ob man tauglich war und in welchen Bereichen es Einschränkungen gibt, erfuhr man direkt beim Arzt.

Bei dem Einstellungstest der Bundeswehr ist es wichtig, dass die Bewerber in bester körperlicher Verfassung sind. Diese wird bei der medizinischen Untersuchung festgestellt.

Medizinische Untersuchung

Anschließend stand der „PMO“ auf dem Programm. Es handelt sich um einen Psychologischen Test, der Aufschluss über die eigene Persönlichkeit gibt. Beim PMO handelt es sich um einen Fragenkatalog mit 116 Fragen über die eigenen Werte und Vorstellungen. Auf einer Skala von „Trifft gar nicht zu“ über „Mittelmäßig“ und schließlich „Trifft vollkommen zu“ sowie vier weiteren Bewertungsmöglichkeiten musste man beurteilen, wie stark eine Aussage auf die eigene Persönlichkeit zutrifft.

Beispiel: „Ich fühle mich mit einer Waffe stark.“ Ein Tipp dabei ist nicht lange nachzudenken und die möglichst beste Antwort herauszusuchen, sondern einfach die Fragen nach dem persönlichen Empfinden zu beantworten. Sollten dort Unstimmigkeiten auftreten, werden diese auf jedem Fall im Interview genauer hinterfragt.

Neben Gesundheit, Persönlichkeit und Fitness wird bei der Bundeswehr auch die Fähigkeit des Arbeitens in Teams getestet.

Gruppensituationsverfahren

Als nächstes musste ich mit 3 anderen Offiziersbewerbern zum Gruppensituationsverfahren, bei dem die Durchsetzungsfähigkeit und die Zusammenarbeit im Team geprüft wurde. Insgesamt musste man sich 3 Situationen stellen. Als erstes war man in einer „eingeschlossenen“ Situation und man musste ein Lösungskonzept erarbeiten. Am Ende steht dabei nicht die Lösung im Mittelpunkt, sondern die Zusammenarbeit im Team. Als zweites gab es einen „Ressourcenmangel“, bei dem die Durchsetzungsfähigkeit des Einzelnen geprüft werden sollte. Wichtig ist dabei eine Meinung und eine klare Argumentation zu vertreten, aber trotzdem das Team zusammen zu halten. Als letztes musste jeder Bewerber einen Kurzvortrag halten, bei dem eine Lage präsentiert, Pro- und Kontra Argumente beleuchtet und schließlich eine Entscheidung getroffen werden musste. Für das GSV benötigten wir 1 ½ Stunden, die allerdings extrem schnell verstrichen.

Nach der Mittagspause musste ich zum Interview, was dem normalen Bewerbungsgespräch gleicht. Grundsätzlich ist das Interview in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil wurde man über seine Persönlichkeit befragt, wie z.B. Schule (auch Noten), Hobbys und Engagement. Der zweite Teil befasste sich mit meiner Einstellung und Motivation, Offizier bei der Bundeswehr zu werden. Man sollte dabei auch im tagespolitischen Geschehen etwas informiert sein. Ich musste beispielsweise Stellung zu der Flüchtlingspolitik beziehen. Nachdem das Gespräch beendet war, musste man kurz den Raum der Prüfkommission verlassen. Nach einiger Zeit wurde ich wieder hereingebeten und mir wurde die Tauglichkeit als Offizier bei der Bundeswehr bestätigt. WICHTIG: Bei dem Interview sollte man möglichst offen sprechen und sich nicht jedes Wort aus dem Mund ziehen lassen, je mehr ihr erzählt und der Prüfkommission einen Einblick in euch gewährt, desto schneller ist das Interview auch vorbei.

Jeder, der bis zu diesem Zeitpunkt gekommen ist, konnte schon sehr froh sein, denn am ersten Prüfungstag mussten die ersten 50% ihre Koffer packen und nach Hause fahren.

Als nächstes ging es für mich zum Mathetest, welcher ausschlaggebend für die Studieneigung ist. Vor allem die Mathematik der Oberstufe sollte man beherrschen, denn Analysis, Lineare Algebra, Analytische Geometrie und Stochastik spielten eine große Rolle. Besonders wichtig ist es, die Aufgabenstellung genau zu lesen und zu verstehen. Beim Abendessen in etwas kleinerer Runde hieß es nun Kraft tanken für den nächsten Prüfungstag.

Als letztes erhielten wir den „Einplanungsvortrag“, bei dem uns gesagt wurde, wie viele Studienplätze die Bundeswehr pro Jahr anbietet und wie viele Bewerber es für den Studiengang gab.

Bundeswehr Einstellungstest 2. Prüfungstag

Am 2. Prüfungstag lief alles etwas entspannter ab. Um 6:30 Uhr startete der MKT-Test, bei dem es um mechanisches und physikalisches Wissen ging. Beispiel: In welche Richtung dreht sich Zahnrad 7, wenn sich Zahnrad 1 gegen den Uhrzeigersinn dreht. Die 22 Fragen konnte man mit einem gesunden Verstand gut beantworten.

Als letztes stand die Sportprüfung auf dem Programm, der sogenannte BFT (Basis Fitness Test), welcher aus dem 11 x 10m Sprinttest, dem Klimmhang und 3000m Fahrradergometer fahren bestand. Mit ein wenig Training alles machbar.

Die Bundeswehr setzt bei allen Bewerbern eine gute körperliche Fitness und Sportlichkeit voraus.

Sportprüfung

Nach dem Duschen, hat man die Koffer gepackt, die Betten abgezogen und ist in das Assessment Center gegangen. Dort konnte man seine Koffer in einem Schließfach im Keller deponieren und zum Einplaner gehen. Zuvor bekam man sehr viele Zettel, die man ausfüllen musste, mit Angaben zum Wohnsitz etc. Der Einplaner bat mich in sein Büro und teilte mir mit, dass alles super gelaufen sei und dass ich mein Wunschstudienplatz erhalten würde. Nach dieser Direktzusage konnte man entscheiden, wo man seinen Offiziersanwärter Lehrgang absolvieren möchte. Danach erhielt ich eine Uhr als Andenken und eine Urkunde.

Drei sehr intensive und erfahrungsreiche Tage, die ich bestimmt nicht vergessen werde.

An dieser Stelle endet der Erfahrungsbericht des Bewerbers. Falls du für den Bundeswehr Einstellungstest online üben möchtest kannst du dich auf unserer Startseite über unsere Angebote informieren.