Erfahrungsbericht im Karrierecenter der Bundeswehr

Bundeswehr Soldat

Anfang des Jahres bewarb ich mich bei der Bundeswehr für die Laufbahn des Feldwebels im allgemeinen Fachdienst mit der Möglichkeit auf eine Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung. Nach einigen Monaten des Wartens, bekam ich eine Einladung zur Vorstellung im Karrierecenter der Bundeswehr, wo meine Eignung geprüft werden sollte. Im folgenden Bericht beschreibe ich meine Erfahrungen und gesammelten Eindrücke während der Eignungsfeststellung im Karrierecenter der Bundeswehr.

Tag 1: Ankunft, Eingangsuntersuchung, CAT

Erscheinen bis 10:30 Uhr, das sagte die Einladung, die ich einige Wochen zuvor bekommen hatte. So hieß es für mich an diesem Dienstagmorgen, zeitig meinen Weg zum Karrierecenter mit der Bahn anzutreten. Um 9:30 Uhr am Karrierecenter angekommen, wies ich mich am Empfang aus und bekam daraufhin Bettwäsche, ein Vorhängeschloss für den Spind, die Hausordnung, sowie einen Laufzettel ausgehändigt. Mit einer Unterschrift bestätigte ich die Richtigkeit meiner Daten und verpflichtete mich dazu, die Hausordnung zu befolgen. Nachdem nach und nach alle Mitbewerber eigetroffen waren, gingen wir auf die Stube. Zu acht auf dem Zimmer, hatte jeder einen Spind und ein Bett.

Begrüßung und der erste Minitest

Um 12:30 Uhr hatten wir uns dann zur Begrüßung einzufinden. Ein Hauptmann erklärte uns den Ablauf der folgenden Tage und was es bedeute, Soldat zu sein. Nach der kurzen Ansprache, galt es auch schon die erste Hürde zu überwinden: Jeder bekam einen Bogen ausgeteilt, auf welchem man einige Multiple Choice- und sechs ausformulierte Fragen (z.B. „Was haben Sie aus der Schulzeit mitgenommen?“; „Was denkt Ihre Familie über Ihren Karrierewunsch?“) binnen 20 Minuten zu beantworten hatte. Diese Fragen werden eventuell im persönlichen Gespräch aufgegriffen und sollten daher mit Bedacht beantwortet werden!

Der CAT (Computer Assistierten Test)

Anschließend hatten wir ca. 30 Minuten Zeit, um Mittag zu essen und uns anschließend in einem Testraum einzufinden – denn nun war das berüchtigte Computer-Assistierte Testen (CAT) an der Reihe. Durch Abgabe des Laufzettels bekam jeder einen Arbeitsplatz zugewiesen und kurz darauf begann auch schon der Test. Je nach gewünschter Verwendung fällt dieser durchweg unterschiedlich aus. Wer etwa in einem technisch anspruchsvollen Bereich tätig werden möchte, sollte sich daher auch auf einen Schwerpunkt in naturwissenschaftlich-technischen Fragen einstellen. Anders sieht es da wieder in kaufmännischen Disziplinen aus.

Jedoch rate ich allen Bewerbern sich auf jede Eventualität vorzubereiten und nicht auf Lücke zu lernen! Eine gute Hilfe zum Lernen bieten hier Einstellungstestaufgaben im Internet und auch besonders die einschlägige Literatur.
 

Natürlich gibt es auch allgemeine Aufgaben, die alle Bewerber durchlaufen. Hierzu zählte etwa ein Pool aus 50 Thesen, welche allesamt mit „Stimme zu“ oder „Stimme nicht zu“ zu beantworten waren. Manche wirkten trivial, entpuppten sich jedoch beim genaueren Hinsehen als brandgefährlich z.B.

  • „Ich stehe gerne im Mittelpunkt.“
  • „Jeder sollte die Möglichkeit zur freien Religionsausübung haben.“

Die Testdauer kann unterschiedlich ausfallen

Da die Fragen unterschiedlich ausfallen, variiert auch die Testdauer stark. So hatte ich meinen Test bereits nach etwa einer Stunde abgeschlossen und war daher zunächst verunsichert. Ich bekam den Laufzettel zurück, der die bereits abgeschlossenen Stationen nachwies und bekam gesagt, wo ich mich anschließend zu melden hatte. Über den Steuerkopf, der von mir die Ergebnisse des CAT in einem Umschlag bekam, ging ich zum Arzt. Durch meinen kurzen Computertest hatte ich nun quasi keine Wartezeit bei allen folgenden Stationen. Bei der Aufnahmeuntersuchung wurde das Seh- und Hörvermögen getestet, sowie die Körpergröße und das Gewicht gemessen. Auch eine Urinprobe für einen Drogentest wurde gefordert.
Ab 16 Uhr war der Tag zu Ende und wir durften die Kaserne bis 21 Uhr verlassen. Man tauschte sich noch über den Test aus und bereitete sich mental auf den zweiten Tag vor. Ich war froh, den Computertest, meine größte Sorge, hinter mich gebracht zu haben und war gespannt auf den nächsten Tag.

Tag 2: Ärztliche Untersuchung, Sporttest, psychologisches Gespräch, Einplanung, BFD

Die ärztliche Untersuchung

Der Wecker klingelte um 05:40 Uhr. Um 6 Uhr hieß es: Frühstück. Nach der kurzen Stärkung hatten sich alle Bewerber im Warteraum zur ärztlichen Untersuchung einzufinden. Nach kurzer Wartezeit wurde ich aufgerufen und die Musterung begann, welche in etwa wie folgt vonstattenging:

  • Zahlreiche Fragen zu chronischen Krankheiten, Auslandsaufenthalten, Knochenbrüchen, Drogenkonsum etc.
  • Überprüfung der Gelenkfunktionen und Abtasten des Körpers
  • Puls- und Blutdruckmessung im Ruhezustand und bei Anstrengung
  • Ggf. Prüfung des Gleichgewichtssinns (für Bordtauglichkeit)

Zuletzt wird einem der Tauglichkeitsgrad genannt und bescheinigt.

Der Sporttest

Für mich ging es danach erneut zum Steuerkopf und anschließend hatte ich bis zum Sporttest anderthalb Stunden frei. Nachdem auch die anderen meiner Gruppe die Musterung hinter sich gebracht hatten, begaben wir uns, umgezogen, zum Warteraum, wo wir von einem Soldaten abgeholt und zum Sporttest gebracht wurden. Der Basis-Fitness-Test (BFT) besteht aus drei Bereichen: Schnelligkeit, Kraft & Ausdauer.

Der Sprinttest

Nach einer kurzen, freien Aufwärmphase begann, immer zu zweit, der Sprinttest. Bäuchlings auf einer Matte, mit den Händen neben dem Körper liegend, rannte man auf ein Zeichen eine Strecke von zehn Metern, umkreiste am Ende eine Pylone, rannte die Strecke zurück, warf sich auf die Matte und klatsche hinter dem Rücken in die Hände. Das ganze fünf Mal (11x10m). Maximal 60 Sekunden.

Der Klimmhang

Anschließend war nach Kraft gefragt – es ging zum Klimmhang. Mit dem Kinn über einer Reckstange, verharrt man solange wie möglich in der Endposition eines Klimmzugs. Minimal 4 Sekunden.

Das Ergometer

Letzte Hürde war das Fahrradergometer. Hier gilt es eine Strecke von 3000 Metern in weniger als 6:30 Minuten zurückzulegen und dabei eine gewisse Anzahl von Umdrehungen pro Minute nicht zu überschreiten. Die Watt Zahl ist hierbei beliebig wählbar.
Für alle Aufgaben gilt. Je besser man sich anstellt, desto besser ist auch die Bewertung. Zumindest einmal sollte man daher jede Disziplin im Voraus geübt haben.

Das psychologische Gespräch

Den Sporttest gemeistert, stand „nur“ noch das Gespräch als wirkliche Herausforderung an. Davor hatten wir jedoch fast 2 ½ Stunden Freizeit, die wir nutzten, um außer Haus essen zu gehen.
Dann hieß es für mich sich in Schale zu werfen, denn das psychologische Gespräch stand an. Aufgeregt wartete ich in einem Wartezimmer, bis ich schlussendlich aufgerufen wurde. Im Raum saßen mir der Prüfoffizier und eine Psychologin gegenüber. Die Dame eröffnete das Gespräch und stellte mir Fragen zu meinem schulischen Werdegang und meiner Person. Mit der Zeit legte sich meine Anspannung und ich kam in einen angenehmen Redefluss. Die Psychologin fragte mich unter anderem, was denn zum Aufgabenspektrum des Feldwebels gehöre und ging auch kurz auf den Bogen ein, den wir am ersten Tag auszufüllen hatten. In meinem Fall (!), stellte der Offizier keine Fragen. Nach etwa 20 Minuten wurde ich vor die Tür gebeten und nach kurzer Zeit wieder hereingerufen.

Geschafft!

Der Prüfoffizier teilte mir mit, dass man sich dafür entschieden hätte, mir die Eignung als Feldwebel auszustellen. All die Anspannung der letzten Tage fiel von mir und ich war überglücklich. Beide wünschten mir alles Gute und ich ging zum Einplaner.
Der Einplaner versucht, so gut es geht, die Wünsche des Bewerbers, mit dem Bedarf der Bundeswehr, in Einklang zu bringen. Aus diesem Grund kann es auch vorkommen, dass der Wunschverwendung, mangels begrenzter Stellen, nicht stattgegeben werden kann. Insofern sollte man sich im Voraus mit alternativen Verwendungsmöglichkeiten auseinandergesetzt haben.

Letzte Station des Einstellungsverfahrens war dann der Berufsförderungsdienst. In einem Einzelgespräch werden Weiter- und Ausbildungsmöglichkeiten für die Zeit nach der Verpflichtung diskutiert.

Nun hatte ich alle Stationen hinter mir, war völlig am Ende und froh, dass ich meine Eignung erhalten hatte. Ich wünschte den anderen auf dem Gang noch alles Gute, ging zurück zur Stube, zog mein Bett ab, packte meine Sachen und gab alle erhaltenen Gegenstände, mitsamt des Laufzettels, beim Empfang ab.

Als baldiger Feldwebelanwärter verließ ich die Kaserne und trat meinen Nachhauseweg an.

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