Organisationsstrukturen der Bundeswehr: Wie ist die Bundeswehr aufgebaut?

Wer an die Bundeswehr denkt, der denkt vor allem an eine strenge hierarchische Aufteilung, mit der die einzelnen Rollen innerhalb des Heeres klar verteilt werden. Dem ist auch in der Tat so, wobei das Ganze in der Praxis deutlich komplexer ausfällt. Insgesamt stehen bei der Bundeswehr immerhin 68 Dienstgrade zur Verfügung, die jeweils mit anderen Befugnissen und Möglichkeiten ausgestattet sind. Gar nicht so einfach also, hier einen echten Durchblick zu bekommen. Aber keine Sorge: Im Folgenden nehmen wir die Organisationsstruktur der Bundeswehr einmal genauer unter die Lupe und zeigen dir alle wichtigen Informationen auf.

Bundeswehr Aufbau: Das Wesentliche im Überblick

  • Bundeswehr teilt sich in Bereich der Streitkräfte und einen zivilen Bereich
  • Insgesamt 68 Dienstgrade gibt es
  • Dienstgrade werden in 7 Dienstgruppen vergeben
  • Der höchste Dienstgrad ist der des Generals
Heißer Tipp: Während deiner Karriere bei der Bundeswehr in Deutschland kannst du mehrmals aufsteigen und dir so nicht nur zu mehr Befugnissen, sondern auch zu einem besseren Gehalt verhelfen. Es lohnt sich also durchaus, sich mit der Organisationsstruktur der Bundeswehr einmal detailliert zu befassen.

Gründung der Bundeswehr

Im Folgenden wollen wir kurz über die Gründung der Bundeswehr informieren. Eine gewissen Grundkenntnis ist für den Einstellungstest bzw. das Auswahlverfahren absolut notwendig. Auf Fragen im Auswahlverfahren solltest du dich einstellen. Hiermit wird deutlich ob du wirklich Interesse an dem Beruf des Soldaten hast und ob du dich im Vorhinein mit der Bundeswehr auseinandergesetzt hast.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs beschlossen die alliierten Besatzungsmächte Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien, USA, unter Anderem im Abkommen von Potsdam, die absolute Entmilitarisierung des Deutschen Reichs. Die bisherige Wehrmacht d.h. das Deutsche Heer, die Deutsche Luftwaffe und die Deutsche Kriegsmarine wurden aufgelöst. Es gab somit keine deutsche Armee mehr. Im Jahr 1949 wurde dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer die Aufgabe zuteil, mit der westdeutschen Regierung erstmals über die Wiederbewaffnung zu sprechen. Eine möglich Wiederbewaffnung löste im deutschen Volk so kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine große Diskussion aus. Die Deutschen oder die meisten Deutschen wollten kein Militär mehr. Nie wieder Krieg. Nie wieder Zerstörung. Nie wieder Gewalt. Diese Diskussion setzte sich in den kommenden Jahren fort. Am 26. Februar 1954 wurde dann anschließend im Deutschen Bundestag über einen so genannten Werbebeitrag im westlichen Europa debattiert. Als schließlich der Bundesrat zustimmte, unterzeichnete der damalige Bundespräsident, Theodor Heuss, am 26. März 1954 das vom Bundestag beschlossene Gesetz. Sofort nach Inkrafttreten des Gesetzes, wurde mit der Rekrutierung freiwilliger, oft ehemaliger Wehrmachtssoldaten begonnen. Frankreich erwirkte mit einer Vertagung des Gesetzes über eine westeuropäische Armee im nationalen Parlament die Erschaffung eines neuen deutschen Militärs. Die Franzosen wollten mit der Vertagung des angesprochenen Gesetzes ein Alleingang der Bundesrepublik Deutschland in Militärfragen verhindern. Einige Monate später unterzeichnete der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Rüstungsbeschränkungserklärung.

Hiermit verzichtete Deutschland auf die Herstellung von Atomsprengköpfen oder chemischer und biologischer Waffen. Weiterhin gab Konrad Adenauer und die deutsche Regierung zu Wort, dass eine Gründung einer deutschen Armee nur im internationalen Kontext geschehen solle. Alles in allem wurde nach Einsicht der Franzosen und auf Wunsch der USA, Deutschland in die NATO aufgenommen. Am 12. November 1955 überreichte Theodor Blank den ersten 101 Soldaten, welche sich freiwillig gemeldet hatten, die Ernennungsurkunde. Der 12. November 1955 ist somit der offizielle Gründungstag des deutschen Militärs. Über den Namen des neuen deutschen Militärs wurde im Folgenden jedoch noch weiter gestritten. Der Sicherheitsausschuss des Deutschen Bundestages einigte sich auf den Namen “Bundeswehr” und entschloss sich den Namen Wehrmacht nicht für die neue deutsche Armee zu verwenden, da dieser im nationalsozialistischen Regime erheblich belastet wurde. Somit war die Gründung der Bundeswehr abgeschlossen.

Struktur und Organisation

Die Struktur und Organisation der Bundeswehr ist relativ komplex. Im Folgenden werden wir diese Strukturen verständlich erklären. Dieses Wissen kann besonders für das psychologische Gespräch oder das Interview im Einstellungstest wichtig werden. Die Prüfer bewerten es außerordentlich positiv, wenn der Bewerber sich mit der Bundeswehr auseinandergesetzt hat. Es ist durchaus möglich, dass die Prüfer dir Fragen zur Struktur und zum Aufbau der Bundeswehr stellen. Andernfalls kannst du diese Informationen auch eigeninitiativ in das Gespräch einfließen lassen.

Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt ist das Verteidigungsministerium bzw. der Verteidigungsminister, jedoch ausschließlich im Friedensfall. Im Kriegsfall geht die Kommando- und Befehlsgewalt auf den Bundeskanzler über.

Bundeswehr Dienstgrade: Wer hat was zu sagen?

Um die unterschiedlichen Befugnisse bei der Bundeswehr genau beschreiben zu können, muss ein Blick auf die Dienstgrade in der Bundeswehr Gliederung geworfen werden. Insgesamt 68 Dienstgrade gibt es, die sich auf die sieben Dienstgruppen der Mannschaften, Unteroffiziere, Unteroffiziere mit Portepee, Leutnante, Hauptleute, Stabsoffiziere und Generale aufteilen. In unserer folgenden Auflistung siehst du nun einmal ganz detailliert, welche Dienstgrade zu welcher Dienstgruppe gehören und welche Befugnisse diese jeweils besitzen – sortiert von den niedrigsten Weisungsmöglichkeiten bis hin zu den größten Befugnissen. Nachfolgend gliedert sich die Bundeswehr in einen militärischen Organisationsbereich und einen zivilen Organisationsbereich. Zu dem zivilen Organisationsbereich gehört die Bundeswehrverwaltung, also: Personal, Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung, Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, sowie Rechtspflege und Militärseelsorge. Der zweite große Teilbereich ist der militärische Organisationsbereich. Dieser besteht aus den Streitkräften. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Luftwaffe, der Marine und zusätzlich dem zentralen Sanitätsdienst und der Streitkräftebasis. Seit dem 1. April 2017 besteht eine weitere Teilzeitkraft der Cyber- und Informationsraum.

Streitkräfte

Das Heer ist die größte Teilstreitkraft der Bundeswehr. Mit 60.000 Soldaten bildet das Heer somit den größten Teil des deutschen Militärs. Die Streitkräftebasis umfasst 41.000 Soldaten. Weiterhin umfasst die Streitkräfte Basis 8500 zivile Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Luftwaffe umfasst 28.000 Soldaten und Soldatinnen. Der Sanitätsdienst umfasst 20.000 Soldatinnen und Soldaten. Die Marine ist die bisher kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr. Die Marine umfasst 16.000 Soldaten und Soldatinnen. Der Cyber- und Informationsraum wird in Zukunft die Marine als kleinste Teilstreitkraft ablösen.

Jeder Teilstreitkraft gehören verschiedene Waffengattungen bzw. Truppengattungen an. Zum Beispiel beinhaltet das Heer die Infanterie. Zu der Infanterie gehören Fallschirmjägertruppe, Gebirgsjägertruppe und Jägertruppe. Weiterhin gehören die Panzertruppen zum Heer. Diese bestehen aus der Panzergrenadiertruppe und der Panzertruppe. Des Weiteren gehören zum Heer die Spezialkräfte, die Artillerietruppe, die Heeresfliegertruppe, die Pioniertruppe, die Fernmeldetruppe, die Heeresaufklärungstruppe und die Heereslogistiktruppe.
Die Luftwaffe lässt sich ähnlich wie das Heer in Truppengattungen einteilen. Die Luftwaffe besteht aus den Flugabwehrraketendienst, den Geschwader, dem Objektschutz der Luftwaffe, der Logistik und dem Führungsdienst der Luftwaffe. Die Marine weist im Gegensatz zum Heer und zur Luftwaffe keine wirklichen Truppengattungen auf. Sie ist natürlich ähnlich gegliedert, jedoch nicht in Truppengattungen bzw. Waffengattungen. Dies liegt auch daran, dass die Marine mit 16.000 Soldaten die kleinste Teilstreitkraft ist.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr ist der ranghöchste Soldat des deutschen Militärs. Er repräsentiert die Bundeswehr und berät das Verteidigungsministerium und den Verteidigungsminister, sowie die Bundesregierung. Er ist sozusagen Spezialist und Ansprechpartner für die Politiker. Dem Generalinspekteur der Bundeswehr sind die Inspekteure der Teilstreitkräfte unterstellt. Jede Teilstreitkraft hat einen eigenen Inspekteur. Die Inspekteure der Luftwaffe, der Marine, des Heeres, der Streitkräftebasis und des Sanitätsdienstes berichten somit in dem Generalinspekteur über Vorkommnisse in ihren Aufgabenbereichen. Dieser informiert die Bundesregierung und das Verteidigungsministerium daraufhin. Die Hierarchie ausgehend von Generalinspekteur und den Inspekteuren der Teilstreitkräfte gliedert sich in Laufbahngruppen und Dienstgrade. Diese werde ich im nächsten Punkt darstellen. Du hast nun einen kurzen Überblick über den Aufbau und die Strukturen der Bundeswehr erhalten. Dies ist für den Einstellungstest mehr als ausreichend.

Mannschaften

Die niedrigste Gruppe in der Bundeswehr Gliederung ist die Gruppe der Mannschaften. Zu dieser Gruppe zählen der Oberstabsgefreite, der Stabsgefreite, der Hauptgefreite, der Obergefreite, der Gefreite und der Soldat. Befehle dürfen die Zugehörigen dieser Gruppe alleine nicht erteilen.

Unteroffiziere

Zu den Unteroffizieren gehören bei der Bundeswehr der Stabsunteroffizier und der Unteroffizier. Diese Dienstgrade müssen die Befehle der Unteroffiziere mit Portepee umsetzen, können gleichzeitig aber auch Befehle an die Dienstgrade der Mannschaften richten.

Unteroffiziere mit Portepee

Die Unteroffiziere mit Portepee stehen über den Unteroffizieren ohne Portepee. Angehörige dieser Dienstgruppe tragen die Dienstgrade Feldwebel, wozu zum Beispiel der Oberfeldwebel oder der Hauptfeldwebel gehören. Die Unteroffiziere mit Portepee genießen mehr Weisungsbefugnisse als die Mannschaften und Unteroffiziere und können diesen beiden Dienstgruppen Befehle erteilen.

Leutnante

Die Leutnante sind die vierthöchste Gruppe innerhalb der Organisationsstrukturen der Bundeswehr. Zu dieser Gruppe gehören der Oberleutnant und der Leutnant, welche den Unteroffizieren mit und ohne Portepee und den Mannschaften Befehle erteilen können.

Hauptleute

Über den Leutnanten stehen bei der Bundeswehr die Hauptleute. Zu dieser Dienstgruppe gehören zum Beispiel der Stabshauptmann, der Stabskapitänleutnant, der Hauptmann oder der Kapitänleutnant. Die Hauptleute dürfen Befehle an alle Dienstgruppen unterhalb ihres Ranges erteilen.

Stabsoffiziere

Die Hauptleute müssen sich in der Rangordnung der Bundeswehr unterhalb der Stabsoffiziere einsortieren. Stabsoffiziere werden für gewöhnlich nicht direkt bei den Truppen eingesetzt, dürfen aber an alle Dienstgruppen unter ihnen Befehle erteilen. Zu der Dienstgruppe der Stabsoffiziere gehören unter anderem der Major, der Oberst und der Oberstleutnant.

Generale

Den höchsten Rang innerhalb der Bundeswehr halten die Generale. Diese genießen eine Weisungsbefugnis über sämtliche anderen Dienstgruppen und können als kleiner Kreis bezeichnet werden. In der gesamten Bundeswehr gibt es weniger als 200 Generale.

Wie erkenne ich die einzelnen Dienstgrade?

Bei der Bundeswehr steht es natürlich keinem ins Gesicht geschrieben, über welchen Dienstgrad er verfügt. Allerdings fast, denn mit Hilfe verschiedener Abzeichen werden die unterschiedlichen Dienstgrade deutlich voneinander abgetrennt. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass dabei natürlich auch noch einmal zwischen dem Heer, der Luftwaffe und der Marine unterschieden wird. Grundsätzlich gibt es auch drei Arten von Abzeichen, die je nach Anlass verwendet werden. Die bekannten Schulterabzeichen zum Beispiel sind in der Regel auf den Präsentationsanzügen zu finden, die sogenannten Aufschiebeschlaufen wiederum an den Kampfanzügen. Kurz gesagt: Es ist nicht wirklich schwer, den Dienstgrad einer Person zu erkennen.

Tipp: Du solltest die Organisationsstruktur der Bundeswehr „aus dem FF“ kennen. Nicht nur im Einstellungstest wirst du hierzu befragt, sondern es können später auch Probleme auftreten, wenn du zum Beispiel deine Vorgesetzten nicht erkennst.

 

Fazit: Organisationsstruktur lernen und behalten

Die Organisationsstruktur der Bundeswehr sollte in deiner Vorbereitung für deine Karriere beim Bund eine wichtige Rolle spielen. Du musst die einzelnen Dienstgrade und Dienstgradgruppen kennen, damit du im weiteren Berufsleben Befehle richtig ausführen kannst. Bist du dazu nicht in der Lage, wird dies unweigerlich zu Problemen führen. Grundsätzlich lässt sich über den Bundeswehr Aufbau aber sagen, dass dieser einer klaren Struktur folgt und die Befehlskette ziemlich deutlich definiert ist. Kennst du den Aufbau bzw. das Organigramm einmal richtig, dürfte es so schnell auch nicht wieder vergessen werden. Falls doch, kannst du die Details hier jederzeit noch einmal nachschlagen.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...
×